Philosophische und psychologische Einflüsse

(Fokus auf Nietzsche und Freud)

 

Sigmund Freud

Sigmund Freud kann ein abgeschlossenes Medizinstudium vorweisen und war seit 1891 Nervenarzt. Er ist für seine Psychoanalyse weltberühmt geworden.

Das System basiert darauf dass man die Probleme die man in seiner Seele besitzt durch längere und intensive Gespräche herausfiltern und behandeln kann.

Freud teilt die Psyche des Menschen in 3 Teile ein, das „es“, das „ich“ und das „über ich“.

Das „Es“ wird einem Menschen angeboren. Es ist für Triebe im Mensch , Gefühle und Wünsche verantwortlich. Das „ich“ ist die Persönlichkeit oder der Charakter der Person. Über das „ich“ dringt also das „Es“ nach außen und trifft die Entscheidungen.

Wenn ein Patient dann ein psychisches Problem hat, arbeitet das „Es“ und das „ich“ nicht miteinander und unterdrückt sich gegenseitig. Die Folge sind psychische Erkrankungen. Die 3. Instanz das „über ich“ stellt die Moral- und Wertevorstellungen dar, die der Patient von seiner Erziehungsperson gelernt hat. Außerdem repräsentiert das „über ich“ das menschliche Gewissen.

 

Einfluss auf Kafka:

Als Freud um 1910 berühmt wurde war Kafka 27 Jahre alt. Erst nahm Kafka einen großen Abstand zur Psychoanalyse ein und wollte nichts damit zu tun haben. Wenig später machte sich Kafka doch mit der Psychoanalyse vertraut.

Das Erstmal erwähnte Kafka den Namen Freud 1912, in seinem Tagebuch, in dem Text mit der Überschrift „Gedanken an Freud“. In diesem Text beschäftigte sich Kafka stark mit sich selbst und offenbarte sich einige Schwächen.

Franz Kafka ist dann enger mit den Theorien von Freud in Kontakt gekommen, da er einige von Freuds Studenten kannte. Er hat sich aber nie intensiver mit den Theorien beschäftigt, da ihm bewusst das seine eigene Psyche auch angekratzt war. Er hatte angst davor sich seinen eigenen Problemen zu stellen.

In seinem Werk „Die Verwandlung“ wird behautet das er Freuds-Theorie verwendet hat. Kafka stellt hier die menschliche Psyche dar. Vor der Verwandlung kann Gregor seine Wünsche, Triebe und Gefühle nicht ausleben. Das „über ich“ dominiert das „Es“. Sein psychologisches Problem unterdrückt er durch Arbeit. Während und nach der Verwandlung kommt es zum Ausbruch des „Es“ durch eine psychische Zerstörung und Überlastung. Somit kommen die inneren Triebe zum Vorschein und er wird zu einem Tier. Nun ist das „über ich“ und das „ich“ unterdrückt. Als Gründe zählt Kafka den familiären Konflikt und die fehlenden sozialen Kontakte auf. Die Folge ist der Tod von Gregor, da das „über ich“ durch fehlende Zuneigung nicht mehr gestärkt werden konnte. Weitere Werke in denen Freuds Theorien eine Rolle spielen können sind „Das Urteil“ und „Der Prozess“


Friedrich Nietzsche

 Laut Nietzsche gibt es bei den Menschen keine objektiven Wahrheiten und Werte. Da alle Situationen von einer Person subjektiv eingeschätzt und durch die eigene Meinung beeinflusst werden. Ein Mensch kann also laut Nietzsche niemals ein Urteil unvoreingenommen fällen. Nietzsches Philosophie wird oft als eigensinnig und skeptisch beschrieben. 

Ein weiterer Begriff den Nietzsche geprägt hat ist der Nihilismus, was so viel bedeutet wie „nichts“. Nach der Vorstellung des Philosophen gibt es keine Werte, keine Moral, keinen Gott und die Möglichkeit der Erkenntnis besitzt auch kein Mensch.

Außerdem beruht er darauf, dass sich alle Ereignisse im Universum ständig wiederholen. Alle möglichen Situationen und Umstände haben schon mehrfach stattgefunden und laufen immer wieder ab. Der Mensch erlebt diese Situationen unendlich oft, merkt dies aber nicht.

Um diesem Trott zu Stoppen muss eine neue Rasse, der Übermensch, entstehen. Für Nietzsche ist der Übermensch ein idealer Mensch. Er glaubt an keine Religion, er hat keine Moralvorstellungen und kann sich somit frei entfalten.

Nietzsche bezeichnet das Christentum als Sklaverei oder Sklavenmoral. Religionen und Moralvorstellungen sind für Nietzsche nur dafür da um schwächere Menschen auszunutzen und die stärkeren zu beschränken. Die Menschen werden also davor gehindert nach mehr zu streben. Wenn keine Religionen oder Ethik existieren würde, könnte sich der Mensch laut Nietzsche besser entfalten und Größeres erreichen. Um das zu realisieren müsste die Menschheit ausgerottet werden, damit sich die Übermenschen entwickeln können.

 

Einfluss auf Kafka:  

Als Nietzsche starb war Kafka erst 17 Jahre alt und dennoch hat er sein weiteres Leben geprägt.

Was Kafka und Nietzsche verbindet ist das sehr skeptische und pessimistische Denken. Das beweisen Kafkas Werke, da hier fast jeder Held oder Protagonist am Ende stirbt, verschwindet oder psychisch Krank ist.

Der einzige positive Held ist der Affe Rotpeter. Der Affe ist in Gefangenschaft und möchte aber wieder frei leben, deshalb muss er sich von seiner Identität trennen und menschliche Züge annehmen um akzeptiert zu werden und besser leben zu können.

Hier bezieht sich Kafka meiner Meinung nach auf Nietzsche, daher dass Nietzsche sagt die Menschheit müsste sich von Grund auf ändern oder sie muss komplett ausgerottet werden, sodass die Übermenschen entstehen können. Der Affe Rotpeter soll zeigen das man sich von seiner Identität trennen kann oder muss um ein freies und angenehmes Leben führen zu können.

Ebenfalls sagt Nietzsche das die aktuellen Menschen den Tieren noch sehr nah und triebgesteuert sind. Die Übermenschen wären intelligenter, menschlicher und würden sich deutlicher von den Tieren abheben. Die Nähe zu den Tieren stellt Kafka in seinem Werk „Die Verwandlung“ dar. Er zeigt auf das ein aktueller Mensch so determiniert werden kann, dass er sich zu einem Tier verwandelt. Damit drückt er aus das die aktuellen Menschen zu sehr triebgesteuert sind und sich zu wenig von den Tieren abheben. 

 Kafkas Erzählkunst - ein Beispiel 

 

„Kafka wendet sich ganz von dieser Welt der äußeren Wirklichkeit ab und entdeckt den inneren Menschen als Gegenstand epischer Kunst. [...] Ist nun die innere Welt [...] der Gegenstand Kafkaschen Erzählens und steht der Erzähler nicht als kalt beobachtender Psychologe draußen, so bleibt ihm kein anderer Platz als in der Seele seiner Hauptgestalt selbst, er verwandelt sich in Josef K.

(Beißner, zit. nach M. Müller, Erl. und Dokumente, Stuttgart 1993 (= Reclam RUB 8197), S. 152)

Es ist ein Zitat von Beißner, über Kafkas Erzählkunst aus dem Buch „Der Prozess“

Kafkas Erzähltyp wird oft als sehr „einsinnig“ beschrieben. Das bedeutet er erzählt meist nur aus der Perspektive der Hauptperson. Diese hat natürlich ein eingeschränktes Wissen und Sichtfeld. Der Leser erfährt also nicht jedes Detail der Handlung, sondern bekommt nur mit was die Hauptperson sieht weiß oder interpretiert. Somit fehlen dem Leser einige Informationen, die sich selbst erschließen muss.

„Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet. Die Köchin der Frau Grubach, seiner Zimmervermieterin, die ihm jeden Tag gegen acht Uhr früh das Frühstück brachte, kam diesmal nicht. Das war noch niemals geschehen. K. wartete noch ein Weilchen, sah von seinem Kopfkissen aus die alte Frau, die ihm gegenüber wohnte und die ihn mit einer an ihr ganz ungewöhnlichen Neugierde beobachtete, dann aber, gleichzeitig befremdet und hungrig, läutete er. Sofort klopfte es und ein Mann, den er in dieser Wohnung noch niemals gesehen hatte, trat ein. Er war schlank und doch fest gebaut, er trug ein anliegendes schwarzes Kleid, das, ähnlich den Reiseanzügen, mit verschiedenen Falten, Taschen, Schnallen, Knöpfen und einem Gürtel versehen war und infolgedessen, ohne daß man sich darüber klar wurde, wozu es dienen sollte, besonders praktisch erschien. »Wer sind Sie?« fragte K.“

Gesellschaftliche Einflüsse

Kafka wurde mitten in einen Modernisierungsprozess der Gesellschaft hineingeboren. Diese neue Welt wirkte für ihn komplett undurchdringlich, das führte psychischen Problemen. Auch seine Religion und sein Wohnort beeinflussten ihn stark. Er lebte in Prag, einer Stadt des Wandels nach dem Habsburger Regime. Jedoch hatte er als deutscher Jude in Prag wenig Anschluss und wurde mehr oder minder isoliert. Diese Isolation bzw. Ausgrenzung führte dazu, dass er sich für die politischen Themen gar nicht interessierte und er diese demzufolge auch nicht bearbeitete. Zusammenfassend kann man sagen, dass er durch die gravierenden Prozesse der Erneuerung in sämtlichen Bereichen der Lebenswelt, viel Ordnung und Halt verlor und schlichtweg überfordert war.

 

Get in touch

Contact information

+1 (555) 555 1000

your.email@example.com

55 Template Street
San Francisco, California 94110

We in social networks

Facebook
Instagram
Ihre Anregungen und Fragen

© Copyright The Franz Kafka Project